Staatsschuldenkrise und Niedrigzinspolitik mit Folgen für Lebensversicherungen

Schuldenkrise und Niedrigzinspolitik sind derzeit der Albtraum der Versicherer bezüglich Lebensversicherungen. Massiv greift die Zentralbank in die Europäische Staatsschuldenkrise ein und geht damit weit über ihre eigentlichen Aufgaben hinaus.

Der Politik hörig wurde der Nominalzins auf 0,75% gesenkt und viele Experten gehen davon aus, dass dies noch nicht der letzte Schritt war. Der EZB-Präsident verkündete nun, dass seine Bank alles daran setzen werde, das Überleben des Euros zu sichern. Mahnende Worte seitens der deutschen Bundesbank verhallen offenbar ungehört. Die Börsianer freut es indes und der Dax peilt die 7000er-Marke gerade wieder an.

Die Lebensversicherer stellt das Szenario aber vor immer ernstere Probleme. Wegen der weiter sinkenden Renditen der Anleihen kommen den Unternehmen besonders die alten Policen mit den hohen Garantieverpflichtungen teuer zu stehen. Neue Verträge werden ohnehin bereits mit niedrigeren Garantiezusagen abgeschlossen und die ebenfalls dramatisch sinkenden Überschussbeteiligungen machen die ehemals liebste Anlage der Deutschen zur Altersversorgung kaum noch attraktiv.

Nach dem Anwerfen der „Druckpresse“ durch die EZB wird die Erhöhung der Inflationsrate wohl nur noch eine (kurze) Frage der Zeit sein. Damit wird der Erlös einer Kapitallebensversicherung mittelfristig gegen Null gehen. Trotz des Umfeldes sind jedoch die meisten größeren Lebensversicherer in ihrer Existenz (noch) nicht bedroht, wie eine kürzlich veröffentlichte Studie von ‚Morgen & Morgen‘ ergab. So machte die Allianz-Versicherung im letzten Quartal insgesamt sogar einen höheren Gewinn als zuvor. Die schwächelnde Lebensversicherungssparte konnte also durch andere Zweige aufgefangen werden.

Deshalb ist von blindem Aktionismus und dem Verkauf von Lebensversicherungen abzuraten. Dies gilt besonders für Altverträge mit nur noch geringer Restlaufzeit. Hier stehen die sicher geringeren Überschussbeteiligungen – gegenüber der einstmaligen Prognose – zu den Verlusten beim Verkauf in keinster Weise in Relation.