Schuldenschnitt bei privaten Krankenversicherungen

Die privaten Krankenkassen leiden immer mehr darunter, dass eine steigende Anzahl Privatversicherter ihre Tarife nicht mehr bezahlen können. Nun scheint Bewegung in die verfahrene Situation zu kommen. Zuletzt wurde bereits immer wieder darüber berichtet, dass verschiedene Kassen eine Art „Notlagentarif“ einführen, die es Versicherten ermöglicht, zu deutlich geringeren Beiträgen in der gewählten privaten Krankenversicherung zu bleiben, auch wenn sie sich den Beitrag zum ursprünglich gewählten Tarif nicht mehr leisten können.

Jetzt wollen die privaten Kassen offensichtlich noch weiter gehen und in einer noch nie dagewesenen Aktion über 140.000 ihrer Kunden die angehäuften Schulden erlassen. Der Schuldenschnitt scheint der einzige Ausweg für einige private Krankenversicherer zu sein. Durch eine Gesetzesänderung am 1. August wurde es möglich, die Privatpatienten in eine Basisversorgung (im medizinischen Sinne) zum Monatspreis von ca. 100 Euro zu überführen. Früher konnten die Privatversicherer die Verträge ihrer Kunden, die nicht mehr zahlten, einfach kündigen. Dies ist seit 2009 aber nicht mehr so einfach möglich. Die säumigen Privatpatienten wurden deshalb in einen Basistarif eingestuft, der aber manchmal teurer war als der bisherige.

Die Privatversicherten häuften seit 2009 einen Schuldenberg von 750 Millionen Euro an. Eine Rückzahlung der Schulden scheint nun fast ausgeschlossen zu sein. Deshalb wendete der Gesetzgeber folgenden „Trick“ an: Kann ein Privatversicherter nach der zweiten Mahnung durch seine Kasse, den Beitrag nicht bezahlen, rutsch er automatisch in den Notfalltarif. Dieses Verfahren kommt auch rückwirkend zum Ansatz. Hat beispielsweise ein Versicherter mit einem Beitragssatz von 650 Euro pro Monat zehn Monate keine Zahlung geleistet, wird er rückwirkend in den „Notfalltarif“ eingestuft und hat dann statt 6.500 Euro „nur“ noch 1.000 Euro Schulden. Es fallen auch keine weiteren Gebühren oder Mahnkosten an. Allerdings muss der nun im Basistarif Versicherte mit erheblichen Leistungseinschränkungen durch seine private Krankenversicherung rechnen.