Private Krankenversicherungen als Wahlkampfthema?

Der Plan von SPD und Grünen im Falle eines Wahlerfolges eine sogenannte Bürgerversicherung ins Leben zu rufen und damit de facto die privaten Krankenversicherung abzuschaffen, wurde bereits seit längerer Zeit diskutiert. Nun melden sie die privaten Krankenversicherungen zu Wort.

Kein Wunder, dass die Versicherer „zurückschießen“. Schließlich geht es um ihre Existenzgrundlage. Der Vorsitzende des Verbandes der privaten Krankenkassen warnte kürzlich vor einer Debatte im Wahlkampf. Er bezeichnete die Bürgerversicherung als Bau pseudosozialistischer Luftschlösser. Wenn das derzeitige System für 90% der Menschen nicht zukunftsfähig sei, dann werde der neue Vorstoß von Grünen und SPD dies zu 100% nicht sein. Denn gerade die privaten Kassen seien mit ihrer Altersrückstellung in ausreichender Höhe auf die demographische Entwicklung in Deutschland viel besser eingestellt als die gesetzlichen Krankenversicherungen.

In Großbritannien gibt es bereits eine Einheitsversicherung. Nur gibt es seit der Einführung dieses Modells nicht die geringsten Verbesserungen für die Briten in der gesundheitlichen Versorgung. So müssten zum Beispiel die Versicherten auf den Inseln für eine Hüftoperation ein halbes Jahr warten, während ein Privatversicherter in Deutschland seinen OP-Termin bereits nach weniger als einem Monat bekomme.

Der Wettbewerb zwischen den Kassen würde in Deutschland deutlich mehr Anreize, Service und Leistungen durch die jeweiligen Krankenversicherungen bieten. Der Argumentation des Verbandsvorsitzenden der Privatkassen kann man wohl nur wenig entgegensetzen. Offen bleibt bei einer eventuellen Einführung einer Bürgerversicherung die Frage, wer denn eigentlich davon profitieren würde und wer die Lasten zu tragen hätte. Dies hängt natürlich von der Ausgestaltung eines solchen Systems ab. Nach dem einen Modell würden vor allem die Rentner profitieren, nach anderen Ausgestaltungsmerkmalen sollen besonders Arbeitnehmer mit geringen Einkommen die Verbesserungen zu spüren bekommen. Warten wir die Bundestagswahlen ab.