Lebensversicherung: Zukunft der Versicherer von Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts abhängig?

Diejenigen deutschen Versicherungsgesellschaften, die einen großen Teil ihres Geschäfts mit kapitalbildenden Lebensversicherungen abwickeln, werden ganz genau die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes zum sogenannten Eurorettungsschirm ESM bewerten müssen.

Nachdem zehntausende Bundesbürger sich den Klagen gegen den Rettungsschirm angeschlossen hatten, war nun das oberste Gericht am Zug. Allerdings ist das Urteil des deutschen Gerichts schon fast zur Nebensache geworden, nachdem die Europäische Zentralbank angekündigt hatte, dass sie Staatsanleihen hochverschuldeter Eurostaaten in unbegrenzter Höhe aufkaufen will. Der italienische EZB-Präsident Monti setzte sich gegen die Widerstände der deutschen Bundesbank durch. Was bedeutet dies nun für die Lebensversicherer?

Die Munich Re (vormals Münchener Rück) bereitet sich nach eigener Aussage schon auf das Szenario einer kollabierenden Eurozone vor. Es werden bereits Pläne ausgearbeitet, wie die Versicherungsgesellschaft auf ein Auseinanderbrechen der Gemeinschaftswährung reagieren muss. Bisher sind die Versicherungsgesellschaften dazu verpflichtet, einen Großteil ihrer Kundengelder in die lange Zeit als sicher geltenden Staatsanleihen anzulegen. Eine andere Anlagestrategie wäre einem Verstoß gegen gesetzliche Bedingungen gleichzusetzen gewesen.

Die immer weiter sinkenden Renditen dieser Staatsanleihen und die Frage, ob mit den Anleihen überhaupt noch Geld zu verdienen ist, bringt viele Lebensversicherer in starke finanzielle Bedrängnis. Eher ist bei einigen Staaten, deren Anleihen von den Ratingagenturen bereits in den „Ramsch“-Status versetzt wurde, mit Verlusten zu rechnen. So kann auch die am 12.09.2012 gefällte Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, dass sich Deutschland am dauerhaften Euro-Rettungsschirm beteiligen darf, keine prinzipielle Lösung des Problems schaffen.