Fernsehmagazin deckt „Skandal“ bei Lebensversicherungen auf

Die bekannte ARD-Sendung „Monitor“ beschäftigte sich unlängst mit dem Thema Lebensversicherung. Normalerweise ist die Sendung für präzise Recherchen bekannt. In diesem Fall berichtete man aber eher im Stil des Boulevardjournalismus. Es ging um die Gesetzesänderung bei den Lebensversicherungen.

Am Beispiel einer Dame, die vor vielen Jahren ihre kapitalbildende Lebensversicherung abgeschlossen hatte, zeigten die Macher des Magazins, wie die anfänglichen Prognosen des Versicherers immer weiter reduziert wurden und die Frau nun fast 25% weniger ausgezahlt bekommen würde als angenommen.

Danach wurde die eingangs erwähnte Gesetzesänderung erläutert. Nur hat diese mit dem konkreten Fall nichts zu tun. Zwar wurde das auch am Ende erklärt, weshalb dieser Beitrag dann aber so gezeigt wurde, erschließt sich wohl nur dem Produzenten. Richtig ist, dass sinkende Überschussbeteiligungen die Prognosen der Versicherungsgesellschaften, die sie vor Jahren abgaben, immer weiter nach unten drücken. Das liegt aber hauptsächlich an der Zinspolitik der EZB. Bei Zinsen von derzeit unter einem Prozent, sind die Versicherer kaum noch in der Lage, vernünftige Renditen zu erzielen. Jedenfalls nicht mit den als „sicher“ geltenden Anlagen.

Nun zum in der Sendung genannten „Skandal“. Bisher mussten die Lebensversicherer Ihre Kunden an den eigenen Bewertungsreserven beteiligen. Die entstehen dadurch, dass die Versicherungen bei hohen Zinsen Anleihen kaufen und danach das Niveau der Zinsen sinkt. Die Bewertungsreserven entstehen nun durch die im Wert steigenden Anleihen. Nach dem neuen Gesetz müssen die Versicherten aber nicht mehr in vollem Umfang an den Bewertungsreserven beteiligt werden. Die damit sinkenden Auszahlungen an die Kunden sei der eigentliche Skandal, wie das Fernsehmagazin meint. Hier mache die Regierung den Lebensversicherern Geschenke zu Lasten ihrer Kunden.

Allerdings ist dabei folgender Aspekt zu bedenken: Würden die Versicherer jetzt ihre Anleihen verkaufen und die auszuzahlenden Kunden an den Gewinnen beteiligen, träfe es Versicherte mit noch längerer Laufzeit ihrer Verträge doppelt hart. Sie haben ohnehin schon niedrigere Garantiezinsen und die Überschussbeteiligungen dürften dann gegen Null gehen.