Die Beiträge der privaten Krankenversicherung stiegen offenbar stärker als erwartet

In den letzten Monaten wurde an dieser Stelle bereits davon berichtet, dass die Beiträge bei einigen privaten Krankenversicherungen deutlich ansteigen werden. Dies ist zu Beginn des Jahres auch tatsächlich eingetreten.

Experten gingen im vergangenen Jahr davon aus, dass die Beiträge vieler privater Kassen um durchschnittlich 4 bis 7 Prozent steigen würden. Dies hatten zuletzt auch die Krankenversicherer selbst so gesehen. Verbraucherzentralen haben jedoch nach eigenen Untersuchungen herausgefunden, dass der Anstieg tatsächlich deutlich höher ausfällt, als dies bisher angenommen wurde. In der Spitze wurde eine Beitragserhöhung von sage und schreibe 60 Prozent registriert. Steigerungen jenseits der 40%-Marke waren ebenfalls keine Seltenheit. Und der Durchschnitt der Beitragserhöhungen lag bei über 20 Prozent, wie die Verbraucherschützer ermittelten.

In einem konkret untersuchten Fall muss ein achtundfünfzigjähriger Privatversicherter statt des bisherigen monatlichen Beitrags von 313 Euro nun stattliche 454 Euro zahlen. Aber dies ist kein Sonderfall. Bei den Untersuchungen stießen die Experten auf den Fall eines Fünfzigjährigen, der in diesem Jahr eine Beitragserhöhung auf 1015 Euro zugestellt bekam von einem Ausgangswert von 842 Euro im vergangenen Jahr. Doch damit nicht genug. Der genannte Privatpatient muss noch zusätzliche Kosten von etwa 650 Euro für Medikamente auf eigene Rechnung begleichen.

Besonders deutliche Beitragserhöhungen mussten die Versicherten der Privatkassen Central und Gothaer ertragen. Von den 144 vom Verbraucherzentrale Bundesverband ermittelten Fällen krasser Erhöhungen entfielen 90 auf die beiden Versicherungen. Nicht zuletzt wegen dieser Praktiken stellen jetzt immer mehr verantwortliche Politiker das System der privaten Krankenversicherungen in Frage. Wurde das Thema früher bevorzugt von der Opposition aufgegriffen, finden sich in jüngster Zeit auch immer mehr Kritiker im Lager der Regierungskoalition.